Die Seele des Klaviers …

Die aktuelle Keyboards titelt es: „The Soul of Piano“ und zeigt in mehreren Artikeln, wie immer wieder der ideale digitale Klaviersound gesucht wird. Das ist ermutigend, denn im Allgemeinen wird das Epiano oft als gleichwertiger Ersatz für ein Klavier gesehen. Und so liest man beeindruckt, wie Klavierfirmen hier mit viel Empathie investieren, um – wie es etwa Dennis Pelz, der Produktmanager bei der GEWA DP-Serie formuliert:

… ein akustisches Instrument aus Holz und Stahl mit all seinen Facetten in ein möglichst realistisches Digitalpendant zu überführen.“

Vor einiger Zeit passierte mir folgendes: ich wurde von einer seriösen Institution als „Pianist“ gebucht (Improvisationen zu einem Vortrag, eine schöne Idee, alles passte …) Nur, als ich ein paar Tage vorher anfragte, was für ein Klavier da wäre, kam die Antwort: Wir haben ein Epiano (es war alles wirklich sehr nett, und ich hatte allen Grund anzunehmen, dass die zumindest ein gestimmtes Klavier haben ..) Schluck …

Der Abend ging so, aber es war die ganze Zeit ein Kampf mit dieser Imitation eines Klavierklangs. Und – eine Art Ironie des Schicksals: vor der Veranstaltung ging ich im Haus ein wenig spazieren und fand in einer Ecke ein großes sehr altes Klavier, völlig heruntergekommen. Ich spielte ein wenig mit den Tasten und aus den Tiefen dieses alten Korpus‘ kamen Töne zu mir, vollkommen verstimmt wie verbeult, aber sie sprachen zu mir .. . „Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten“, sie sprachen und „resonierten“ mich an.

Wer die neueste Keyboards liest, wird verstehen, was ich meine. Das Epiano ist natürlich ein anderes Instrument; Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob ich einen Hammer an eine Seite schlage, oder ob ich einen Ton digital auslöse. Irgendwie fehlt auch der ganze Korpus des Instruments, dieser Klangkorpus, der den Spieler inspiriert, mit dem er kommuniziert.Ich habe überhaupt nichts gegen gute Epianos, nur die Musik muss passen. Am liebsten sind mir aber dann Epiano- oder Rhodessounds.

Interessant eine Geschichte aus der Frühzeit von Synthis und Keyboards: George Duke, der ja vom Jazzpiano kommt, erzählte, wie Frank Zappa ihn aufforderte sich mit dem Fender Rhodes zu beschäftigen. Duke wollte erst nicht, ließ sich dann aber durch das Argument überzeugen, dass man nun das Tasteninstrument in der Band endlich gut hören könne. George Duke wurde dann einer der ersten großen Keyboarder, der aber immer auch mit einem akustischen Flügel auftrat. In seinem letzten Interview von 2010 – drei Jahre vor seinem Tod – sprach er noch mal darüber, dass er für einen Klaviersound immer ein akustisches Klavier bevorzuge, sprach aber sehr begeistert vom V-Piano von Roland. Müsste man mal spielen …

Klassik unterrichten?

In Zeiten der allgegenwärtigen Popballade »klassische» Klaviermusik zu unterrichten ist kein leichtes Unterfangen. Und von der Voraussetzung, die der alte Meisterklavierlehrer Heinrich Neuhaus in seinem berühmten Buch Die Kunst des Klavierspiels benennt – man müsse die Musik, die man am Klavier lernen wolle, schon geistig in sich haben – von dieser Idealvoraussetzung kann man sich wohl verabschieden.

Dazu gibt es was im Konzert und Vortrag »Wiener Klassik – heute noch aktuell?« am 19. Februar http://www.gottschling-klaviere.de/. Musik gibts von Carl Philipp Emanuel Bach (die erste Preussische Sonate in F-Dur und ein späteres Rondo in D-Dur), eine frühere Sonate in G-Dur von Joseph Haydn und die Sonate op. 10, Nr. 1 in c-Moll von Ludwig van Beethoven.

Hier der Beginn meines Vortrages:

Die Bedeutung der klassischen Musik schwindet.

Wen diese Tatsache nicht unberührt sein lässt, dem ist der Blick auf das Jahrhundert aufschlussreich, in dem jene Musik ihre Bedeutung entwickelte – auf das 18. Jahrhundert. Die Werke jener Zeit mögen nach wie vor unvermittelt Ohr und Seele der Hörer erreichen, ein tieferes Verständnis, ein Mitvollziehen können dieser Musik jedoch ist wohl nicht ohne ein Wissen um die Ideen jener Zeit zu haben.

Dabei geht es nicht eigentlich um Wissen: Wenn man kein Gefühl, keinen Geschmack hat von dem, was in jenen Jahrzehnten ab etwa 1730 mit zunehmender Rasanz in Europa geschah, bleibt das Hören einer Sonate von Beethoven, einer Sinfonie von Mozart, eines Streichquartetts von Haydn bloß an der Oberfläche der Klänge hängen. Und bei Musik geht es immer darum Wissen, Erkenntnis fruchtbar zu machen, das heißt immer erlebbar zu machen …

Was Neues zu Petersen

Wilhelm Petersen
Ich freue mich, dass der Robert Lienau Musikverlag, der seit einiger Zeit die Werke Wilhelm Petersens betreut, zur Musikmesse in Frankfurt die Goethelieder op. 40 neu herausbringen will. Ich habe sie früher etliche Mal mit verschiedenen Sängerinnen aufgeführt: es sind eindringliche Lieder, die ihre tiefe Wirkung beim Hörer schon beim ersten Male nicht verfehlen.

Hier mein Text zur Ausgabe:

Wilhelm Petersen: Goethe-Lieder für hohe Stimme und Klavier op. 40

Wilhelm Petersen gehört zu den künstlerischen Doppelbegabungen der Musikgeschichte. Bereits als Gymnasiast zeigte er herausragende dichterische Fähigkeiten. Ein 1907 in Darmstadt erschienener Gedichtband »Träume und Rätsel« machte den Dichterkreis um Stefan George auf den Autor aufmerksam. Petersen zählte – mit den Darmstädter Freunden Karl Wolfskehl und Karl Thylmann – eine Zeit lang in München zur Gruppe. Er entzog sich jedoch bald dem Sog des »Dichterfürsten« und nahm ein Kompositionsstudium bei Friedrich Klose und Robert Louis auf.

Die Affinität zur Lyrik prädestinierte Petersen für Liederkompositionen. Die Lieder gehören zur eindrücklichsten Werkgruppe seines Œuvres. So bezeichnete Bruno Walter in einem Brief an ihn am 13. Juni 1953 die Wunderhornlieder op. 12 als »edle Werke« und »ein eigenster Gesang« (ein Goethe-Zitat). Sie hätten ihn angespornt sich mit weiteren Kompositionen Petersens zu beschäftigen.

Die Goethe-Lieder komponierte Wilhelm Petersen 1939 in Mannheim. Es gab dort einen Freundeskreis um den Komponisten, in dem er die Sängerin Anna-Maria Siben 1934 kennenlernte. Petersen musizierte mit ihr, gab mit ihr Konzerte, so 1935 die Uraufführung der »Fünf Lieder von Friedrich Hebbel« op. 31, die Morgensternlieder op. 41 (1942) oder der »Wunderhornlieder op. 12« 1946 in Köngen bei Stuttgart, der Heimat der Sängerin. Anna-Maria Siben unterstützte Petersen mit Beteiligungen an Druckkosten seiner Werke. So wäre die Oper »Der Goldne Topf« ohne ihre Hilfe nicht zum Druck und somit nicht zur Uraufführung 1941 in Darmstadt gekommen. Man darf von einer engeren Beziehung zwischen Beiden ausgehen, Siben ist die Widmungsträgerin des Liederzyklus.

Es sind Liebeslieder, die ihr Thema in vielen Facetten zeigen: Etwa im mädchenhaft Unbekümmerten der »Spröden«, das nachdenklich in sich Gekehrte in »Gefunden«, Überschwang – von Petersen in fast Straussischer Diktion komponiert – im »Herbgefühl«, eine sublime Erotik im »Nachtgesang« … Der Höhepunkt des Zyklus ist das letzte Lied »Selige Sehnsucht«, in dem Goethe die irdische Liebe mit dem Geheimnis des »Stirb und werde« zu verbinden weiß.

Von den Lieder gibt es eine Orchesterfassung, die mit 1940 in Mannheim mit Anna-Maria Siben uraufgeführt wurde.

Meine Tools fürs Ebook-Schreiben

Selbstgemachtes schmeckt besser …

Es gibt eine Menge TexteApps (Word & Co), die die Herstellung eines Ebooks im *.epub und *.mobi Format implementiert haben. Mir gefällt aber »Selbstgemachtes« einfach besser: Man hat mehr Gestaltungsmöglichkeiten, auch finde ich die Einbindung dieser Menge an Notenbeispielen »händisch« leichter. Dieses Buch hat mich inspiriert und mir zum Einstieg sehr geholfen: Michael Kofler: Markdown & Pandoc.

Mein Workflow

Ich schreibe die erste Fassung mit Markdown-Tags in Scrivener. Dann kompiliere ich diese Fassung als Klartext. Diese Endfassung bearbeite ich mit einem Markdown-Editor, kompiliere die Datei dann mit Pandoc in das Ebook-Format. Mit Calibre gibt es dann die Umwandlung und Nachbearbeitung ins Kindle-Format.

Meine Apps

Editoren

  • Scrivener ist ein geniales Autorentool mit zahlreichen Ausgabemöglichkeiten (PDF, LaTeX, Word, Ebook usw.), welches auch ausgezeichnete Möglichkeiten einer Recherchedatenbank liefert. In Scrivener erstelle ich den Text (mit Markdown-Tags) allerdings nur bis zur Endfassung, diese kompiliere ich in das Markdown-Format. (Die eigentliche Ausgabe ins Zielformat erfolgt dann später mit Pandoc. S.U.)
  • Die Endfassung des Textes in Markdown bearbeite ich mit meinem Liebling Emacs.

Notenbeispiele

Auch hier bevorzuge ich – die an LaTeX angelehnte – Quelltextsprache von LilyPond. Der Editor Frescobaldi ist ein großartiges Tool, um mit LilyPond besser umgehen zu können.

Sprache und »Übersetzer«

  • Markdown ist eine Art Quelltextsprache, die – im Gegensatz zum komplexeren LaTeX – sehr schnell zu erlernen ist. Mit Hilfe von
  • Pandoc, einer Art »Übersetzer«, kann ich dann den Text ins gewünschte Format – zunächst ins *.epub-Format – kompilieren.
  • In Calibre exportiere ich schließlich den Text ins Kindle-Format *.mobi.

Sonstiges

  • Mit Affinity Designer stelle ich das Titelblatt her.
  • DevonThink ist ein wunderbares Tools für Informationsmanagement.
  • Und natürlich mein Dreh- und Angelpunkt: Orgmode, das geniale Tool für Emacs.

Neugierig geworden auf diese wunderbare »wordlose« Welt? Dann klick dich mal durch die Links!

Die kürzeste Geschichte des Klavierspielens …

(Aus meinem Ebook Klavier kompakt 4)

Das klassische Klavier, der Königsweg des Klavierspielens. Eintauchen muss man, ja sich mit Haut und Haar verschreiben dieser großen Tradition, die beginnt mit der Spiritualität der Bachschen Musik (Barock). Die abgelöst wird von der Klaviermusik gewordenen Philosophie des Deutschen Idealismus: dieser klingende Hymnus auf den seine Autonomität entdeckenden und sich an ihr freuenden Menschen (Klassik). Die Romantik, das Zeitalter des Klavierspielens überhaupt: die sehn – süchtige Auslotung jeden Winkels und jeder Tiefe der menschlichen Seele. Schließlich das Klavier in der Moderne: das über sich selbst hinaus greifen wollende Subjekt in der Musik der Moderne … Das klassische Klavier sich zu erarbeiten bietet dem Studierenden einen Mikrokosmos aller Facetten des Menschlich-Musikalischen seit dem Barock.

Das Klavier im Salon, in der Bar, in der Kneipe … Komponisten waren oft gute Pianisten und natürlich auch Musikanten, die immer wussten um die Musik als Quelle des Vergnügens: zum Tanze spielend, die Empfindsamkeit der Seele streichelnd … . Franz Schubert in seinen Freundeskreisen, Frédéric Chopins Walzer im Salon: das 19. Jahrhundert brachte dann eine Fülle an »Salonmusik« hervor. Später dann George Gershwin am Broadway, Eric Satie in Pariser Bars, diese Tradition des Barpianos … »Man müsste Klavier spielen können …«

Das Klavier in der Neuen Welt. Das 20. Jahrhundert entdeckte das perkussive Potential des Klaviers (Béla Bartók, Igor Strawinsky), im Ragtime Piano wurde es manifest. So kam das Klavier in die Rhythmusgruppe der Jazzcombo, um sich jedoch immer wieder zu emanzipieren: im Solospiel der Jazzpianisten, die immer wieder den Bogen zur großen Musik spannen konnten.

Ein alter – immer ein bisschen heruntergekommener – Freund des Jazzklaviers ist das Bluesklavier … ein Klavierspielen gänzlich ungekünstelt, auf eine besondere Weise »ungekonnt«, verpflichtet nur der Authentizität der Aussage .. mit seinem exzentrischen Cousin, dem Boogie-Woogie Klavier, laut-stark ohne Ende gute Laune verbreitend .. und du brauchst eine linke Hand wie ein Bohrhammer …

The Pianoman .. Weg von der Kompliziertheit des Jazz: Einfache Akkorde ohne Septen, als Hinzufügung höchstens mal eine None, hin und wieder einen Susakkord (Spiel einen B-Dur Dreiklang über einem C in der linken Hand: das ist einer), aber mit dem Groove des Blues, der sich zum Rock verwandelt.

Daraus entstand diese heute so ungemein populäre Form des Pop-Klaviers. Musiker wir Billie Joel und vor allem Elton … Ja, Elton John hat in einer gewissen Weise dieses Rock-Pop-Piano erfunden. Seine Pop-Balladen inspirieren immer noch unzählige Balladen dieser Art, ja ihr Sound und Tonfall bestimmen den heutigen Klaviergeschmack überhaupt ..

Widersprüchlichkeiten ..

Menschen, die Widersprüchlichkeiten nicht ertragen, weil sie für sich nur ein Entweder-Oder akzeptieren, wirken dankbar, ja eigentümlich befriedigt und erleichtert, wenn sie endlich Schuldigkeiten (Schuldige) ausmachen können …

Kritischer Humanismus …

… im beeindruckenden Buch Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF von Carolin Emcke:

Im ästhetisch bereinigten, manichäischen Weltbild des Radikalen scheiden sich Gut und Böse trennscharf. Es herrscht eine Eindeutigkeit, in der sich als unpolitisch denunzieren lässt, wer sich für Details, Widersprüche oder das individuell Abweichende interessiert. Dabei scheint mir erst das ein akkurater Begriff des Politischen zu sein, der auch das Ambivalente, das Kleinteilige, das Konkrete zu integrieren vermag. Was wäre das ansonsten für ein Politikverständnis, das nur monolithische Kollektive denken kann, das Positionen immer mit Identitäten verwechselt, das das Eigene nur als Homogenes aushalten kann? Erst im Umgang mit dem Abweichenden spiegelt sich ein kritischer Humanismus

Männer, ältere …

.. wenn ihr nicht mit 65 in der Hölle der Bedeutungslosigkeit der „Has beens“ verschwinden wollt, geht in die Politik. Amerikanischer Präsident, Bundespräsident (italienischer Präsident) geht mit 70 immer noch … Es sei denn, ihr habt ein Plätzchen in der Hierarchie der katholischen Kirche. Da gehts mit 65 erst richtig los … 

Beim Lesen der traurigen, berührenden Tagebücher von Fritz Raddatz …

Shimon Peres über Angela Merkel …

Im heutigen Süddeutsche Zeitung Magazin:

Ich habe mich damals wirklich nicht um Politik gekümmert. Aber dann hat mich hat mich Ben-Gurion gerufen. Ein ehrlicher Mann so wie Angela Merkel: sehr unschuldig, überhaupt nicht zynisch wie die meisten anderen Politiker.

Später im Interview noch mal über Merkel:

Wenn man sich moralisch verhält, bedeutet das nicht, dass damit alle Probleme gelöst wären. Aber man hat ein Rückrat und springt nicht hin und her.