Hören VI .. Goethe über Musik ..

.. freu mich, wenn ich mal wieder auf dieses Zitat von Goethe stoße ..

Die Würde der Kunst erscheint bei der Musik vielleicht am eminentesten, weil sie keinen Stoff hat, der abgerechnet werden müsste. Sie ist ganz Form und Gehalt.

Welch hoher Begriff von Musik, macht einen fast „Atemlos …“

Hören V …

Immer wieder SJean-Sibelius-1945ibelius: Valse triste und Tapiola … Musik am Rande, am Ende der großen alten Welt … Abschied als Musik .. Der Komponist, der 92 Jahre alt wurde und ab seinem 60. Lebensjahr nicht mehr komponierte … In der Partitur zu Tapiola, seinem letzten Werk:  Da dehnen sich des Nordlands düstre Wälder, Uraltgeheimnisvoll in wilden Träumen; In ihnen wohnt der Wälder großer Gott, Waldgeister weben heimlich in dem Dunkel.

 

 

 

Hören III …

[6. 9.] Im Zug nach Neunkirchen zur „Deutschen Winterreise“ höre ich von Monteverdi den Orfeo. Habe mich dazu anregen lassen von dem Hörkanon der Dortmunder Uni  .. aus meinem Tagebuch:

I. Akt gehört. Erster Eindruck. Die Musik hat viel Zeit, ihren Raum einer Art Besinnlichkeit zu schaffen. Vor Moll-Dur-tonale Musik. Es ist schön zu hören. Man muss sich dieser Ruhe anvertrauen.

Abends II. Akt zu Hause gehört. Orpheus erfährt (11) vom Tode
Euridices (durch Natter beim Blumenphlücken gebissen) Beeindruckend: der Bericht vom Tode Euridices. Langes Rezitativ. Am Schluss des 2. Aktes eine fast 10min Sinfonia mit Gesang. Trauer.

 

Hören II …

… ok, wenn ich es von den Studenten wünsche, sollte ich es selbst tun …

[27. 10.] Höre Human Nature in der Klaviersolo Fassung von Vijay Iyer. Dieser Song von Michael Jackson ist mein Liebster. Miles Davis hat ihn auch gespielt. Und die Fassung von Iyer mag ich … Doch: wieviel kann man auf dem Klavier noch erfinden? Was erfinden die Hände, was das Ohr?

Hören …

… meine Studenten angeregt ein Hörtagebuch zu führen.  Aus meinem Skript an sie :

Musikhören geschieht oft in Ihrem Leben — als Hintergrund für Ihre momentane Tätigkeit — beim Einkaufen, beim Putzen oder Referatschreiben. Sie hören Musik, um sich zu entspannen, um Freude zu haben, um Ihre Seele stärker zu spüren: in ihrer Heiterkeit, ihrer Empfindsamkeit, vielleicht ihrer Melancholie. Und Party ohne Musik geht gar nicht. All das geschieht hoffentlich häufig und es ist gut so, gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen: genießen Sie es!

Ich glaube, dass das Hören von Musik noch zahlreiche andere Facetten haben kann, die unser inneres Erleben bereichern, vertiefen, beschenken. Diese Facetten erschließen sich nur individuell und nur, wenn man übt, hin und wieder anders zu hören. Das Schreiben eines Hörtagebuches mag Sie zu einem individuellen,
selbstständigen und bewussteren Hören anregen.

Das Führen dieses Tagebuches ist individuell, freiwillig und irrelevant für jedwede zensurale oder sonstige Bewertung! Ich würde mich freuen, wenn ich am Ende des Sommersemesters einen Blick hinein werfen dürfte; muss aber nicht sein, vielleicht wird es ja wirklich ein Tagebuch.