Was Neues zu Petersen

Wilhelm Petersen
Ich freue mich, dass der Robert Lienau Musikverlag, der seit einiger Zeit die Werke Wilhelm Petersens betreut, zur Musikmesse in Frankfurt die Goethelieder op. 40 neu herausbringen will. Ich habe sie früher etliche Mal mit verschiedenen Sängerinnen aufgeführt: es sind eindringliche Lieder, die ihre tiefe Wirkung beim Hörer schon beim ersten Male nicht verfehlen.

Hier mein Text zur Ausgabe:

Wilhelm Petersen: Goethe-Lieder für hohe Stimme und Klavier op. 40

Wilhelm Petersen gehört zu den künstlerischen Doppelbegabungen der Musikgeschichte. Bereits als Gymnasiast zeigte er herausragende dichterische Fähigkeiten. Ein 1907 in Darmstadt erschienener Gedichtband »Träume und Rätsel« machte den Dichterkreis um Stefan George auf den Autor aufmerksam. Petersen zählte – mit den Darmstädter Freunden Karl Wolfskehl und Karl Thylmann – eine Zeit lang in München zur Gruppe. Er entzog sich jedoch bald dem Sog des »Dichterfürsten« und nahm ein Kompositionsstudium bei Friedrich Klose und Robert Louis auf.

Die Affinität zur Lyrik prädestinierte Petersen für Liederkompositionen. Die Lieder gehören zur eindrücklichsten Werkgruppe seines Œuvres. So bezeichnete Bruno Walter in einem Brief an ihn am 13. Juni 1953 die Wunderhornlieder op. 12 als »edle Werke« und »ein eigenster Gesang« (ein Goethe-Zitat). Sie hätten ihn angespornt sich mit weiteren Kompositionen Petersens zu beschäftigen.

Die Goethe-Lieder komponierte Wilhelm Petersen 1939 in Mannheim. Es gab dort einen Freundeskreis um den Komponisten, in dem er die Sängerin Anna-Maria Siben 1934 kennenlernte. Petersen musizierte mit ihr, gab mit ihr Konzerte, so 1935 die Uraufführung der »Fünf Lieder von Friedrich Hebbel« op. 31, die Morgensternlieder op. 41 (1942) oder der »Wunderhornlieder op. 12« 1946 in Köngen bei Stuttgart, der Heimat der Sängerin. Anna-Maria Siben unterstützte Petersen mit Beteiligungen an Druckkosten seiner Werke. So wäre die Oper »Der Goldne Topf« ohne ihre Hilfe nicht zum Druck und somit nicht zur Uraufführung 1941 in Darmstadt gekommen. Man darf von einer engeren Beziehung zwischen Beiden ausgehen, Siben ist die Widmungsträgerin des Liederzyklus.

Es sind Liebeslieder, die ihr Thema in vielen Facetten zeigen: Etwa im mädchenhaft Unbekümmerten der »Spröden«, das nachdenklich in sich Gekehrte in »Gefunden«, Überschwang – von Petersen in fast Straussischer Diktion komponiert – im »Herbgefühl«, eine sublime Erotik im »Nachtgesang« … Der Höhepunkt des Zyklus ist das letzte Lied »Selige Sehnsucht«, in dem Goethe die irdische Liebe mit dem Geheimnis des »Stirb und werde« zu verbinden weiß.

Von den Lieder gibt es eine Orchesterfassung, die mit 1940 in Mannheim mit Anna-Maria Siben uraufgeführt wurde.