Klassik unterrichten?

In Zeiten der allgegenwärtigen Popballade »klassische» Klaviermusik zu unterrichten ist kein leichtes Unterfangen. Und von der Voraussetzung, die der alte Meisterklavierlehrer Heinrich Neuhaus in seinem berühmten Buch Die Kunst des Klavierspiels benennt – man müsse die Musik, die man am Klavier lernen wolle, schon geistig in sich haben – von dieser Idealvoraussetzung kann man sich wohl verabschieden.

Dazu gibt es was im Konzert und Vortrag »Wiener Klassik – heute noch aktuell?« am 19. Februar http://www.gottschling-klaviere.de/. Musik gibts von Carl Philipp Emanuel Bach (die erste Preussische Sonate in F-Dur und ein späteres Rondo in D-Dur), eine frühere Sonate in G-Dur von Joseph Haydn und die Sonate op. 10, Nr. 1 in c-Moll von Ludwig van Beethoven.

Hier der Beginn meines Vortrages:

Die Bedeutung der klassischen Musik schwindet.

Wen diese Tatsache nicht unberührt sein lässt, dem ist der Blick auf das Jahrhundert aufschlussreich, in dem jene Musik ihre Bedeutung entwickelte – auf das 18. Jahrhundert. Die Werke jener Zeit mögen nach wie vor unvermittelt Ohr und Seele der Hörer erreichen, ein tieferes Verständnis, ein Mitvollziehen können dieser Musik jedoch ist wohl nicht ohne ein Wissen um die Ideen jener Zeit zu haben.

Dabei geht es nicht eigentlich um Wissen: Wenn man kein Gefühl, keinen Geschmack hat von dem, was in jenen Jahrzehnten ab etwa 1730 mit zunehmender Rasanz in Europa geschah, bleibt das Hören einer Sonate von Beethoven, einer Sinfonie von Mozart, eines Streichquartetts von Haydn bloß an der Oberfläche der Klänge hängen. Und bei Musik geht es immer darum Wissen, Erkenntnis fruchtbar zu machen, das heißt immer erlebbar zu machen …

Akademischer Unterricht ..

In dem schönen Büchlein Mein Weg zur Geschichte zitiert der große Historiker Johan Huizinga zunächst seinen Lehrer Dr. J. H. Gunning:

Unterricht muß, um akademisch zu sein, eine große Ausführlichkeit besitzen

um dann fortzufahren:

In der Tat ist das kursorische für einen einigermaßen reifenden Geist tödlich.

Ja, hat er wohl recht …