Widersprüchlichkeiten ..

Menschen, die Widersprüchlichkeiten nicht ertragen, weil sie für sich nur ein Entweder-Oder akzeptieren, wirken dankbar, ja eigentümlich befriedigt und erleichtert, wenn sie endlich Schuldigkeiten (Schuldige) ausmachen können …

Kritischer Humanismus …

… im beeindruckenden Buch Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF von Carolin Emcke:

Im ästhetisch bereinigten, manichäischen Weltbild des Radikalen scheiden sich Gut und Böse trennscharf. Es herrscht eine Eindeutigkeit, in der sich als unpolitisch denunzieren lässt, wer sich für Details, Widersprüche oder das individuell Abweichende interessiert. Dabei scheint mir erst das ein akkurater Begriff des Politischen zu sein, der auch das Ambivalente, das Kleinteilige, das Konkrete zu integrieren vermag. Was wäre das ansonsten für ein Politikverständnis, das nur monolithische Kollektive denken kann, das Positionen immer mit Identitäten verwechselt, das das Eigene nur als Homogenes aushalten kann? Erst im Umgang mit dem Abweichenden spiegelt sich ein kritischer Humanismus

Männer, ältere …

.. wenn ihr nicht mit 65 in der Hölle der Bedeutungslosigkeit der „Has beens“ verschwinden wollt, geht in die Politik. Amerikanischer Präsident, Bundespräsident (italienischer Präsident) geht mit 70 immer noch … Es sei denn, ihr habt ein Plätzchen in der Hierarchie der katholischen Kirche. Da gehts mit 65 erst richtig los … 

Beim Lesen der traurigen, berührenden Tagebücher von Fritz Raddatz …

Shimon Peres über Angela Merkel …

Im heutigen Süddeutsche Zeitung Magazin:

Ich habe mich damals wirklich nicht um Politik gekümmert. Aber dann hat mich hat mich Ben-Gurion gerufen. Ein ehrlicher Mann so wie Angela Merkel: sehr unschuldig, überhaupt nicht zynisch wie die meisten anderen Politiker.

Später im Interview noch mal über Merkel:

Wenn man sich moralisch verhält, bedeutet das nicht, dass damit alle Probleme gelöst wären. Aber man hat ein Rückrat und springt nicht hin und her.

Akademischer Unterricht ..

In dem schönen Büchlein Mein Weg zur Geschichte zitiert der große Historiker Johan Huizinga zunächst seinen Lehrer Dr. J. H. Gunning:

Unterricht muß, um akademisch zu sein, eine große Ausführlichkeit besitzen

um dann fortzufahren:

In der Tat ist das kursorische für einen einigermaßen reifenden Geist tödlich.

Ja, hat er wohl recht …

Autonomes Subjekt und Meditation ..

Aus dem mich sehr aufrührenden Essay von Thomas Metzinger Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit nur ein Zitat (Endnote 11):

Die neuere Forschung zeigt, dass klassische Achtsamkeitsmeditation genau das Gegenteil von Mind Wandering ist und deshalb man sieht jetzt viel klarer, worum es bei dem Einsatz von Meditationstechniken in Wirklichkeit geht: Das eigentliche Ziel ist nämlich eine nachhaltige Erhöhung der eigenen geistigen Autonomie. Und daraus ergibt sich auch das Hauptargument für die Einführung eines systematischen, aber säkularen Meditationsunterrichts an unseren Bildungsinstitutionen: Es geht um so etwas wie die Erhöhung eines zivilisatorischen Standards. Geistige Autonomie ist die Fähigkeit,seine eigenen inneren Handlungen zu kontrollieren und auch auf mentaler Ebene selbstbestimmt zu handeln. Wir verlieren unsere geistige Autonomie immer dann, wenn ein bestimmter Teil unseres kognitiven Selbstmodells vorübergehend zusammenbricht – und die neuere Forschung zeigt, dass dies jedem von uns täglich viele hundert Male widerfährt. Was den westlichen Gesellschaften heute vielleicht am dringendsten fehlt sind systematische und institutionalisierte Formen, in der die Bürger eines Landes den Grad ihrer eigenen geistigen Autonomie erhöhen können. Was es nämlich noch kaum gibt, ist ein tieferes Verständnis der Tatsache, dass es am Ende eben genau die geistige Autonomie des einzelnen Bürgers ist, die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Erhöhung des zivilisatorischen Standards leistet. Die wissenschaftliche Forschung zum Mind Wandering zeigt nun überraschend deutlich, dass wir während zwei Dritteln unserer bewussten Lebenszeit keine geistig autonomen Subjekte sind. Sie liefert auch objektive Belege dafür, dass sich diese Tatsache auf viele verschiedene Weisen in einer geringen Lebensqualität ausdrückt. Also müssen wir alle darüber nachdenken, welche konkreten Möglichkeiten es gibt, unsere geistige Autonomie zu erhöhen. Die Einführung von Meditationsunterricht an Schulen und Bildungseinrichtungen ist in dieser Hinsicht die dringendste und wichtigste politische Forderung.

Freiheit und Kontrolle ..

.. ein sehr interessanter und eigentlich schockierender Essay im Deutschlandfunk (Podcast: Freiheit und Kontrolle)

Freiheit und Kontrolle waren – wenn es einigermaßen gut lief – in einer gesunden Beziehung zueinander. Nun verselbständigen sich klammheimlich die neumedialen Kontrollmechanismen und das Ideal des autonomen Selbst (die Errungenschaft der Aufklärung) verschwindet unbemerkt von der Bühne ..

Toleranz ..

.. gefunden bei den Zusatzmaterialien zum Funkkolleg Philosophie des Hessischen Rundfunks (wirklich toll und interessant):

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein;
sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

Johann Wolfgang von Goethe

Aber …

Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten,
die Intoleranz nicht zu tolerieren.

Karl Popper